OFFENHEIT, VERTRAUEN, VIELFALT – INTERKULTURELLE KOMMUNIKATION BEWEGT UNS

Interkulturelle Kompetenzen sind in einer sich im stetigen Wandel befindlichen Welt, die, darüber hinaus, beständig zusammenrückt, gefragter denn je. Globalisierung ist der Begriff, der, obgleich in aller Munde, doch noch immer von einer gewissen Aura des je ne sais quoi umgeben ist. Ungeachtet der Tatsache, dass wir alle längst auf der Welle der Globalisierung reiten, sind sich die wenigsten von uns der Veränderungen, die mit ihr einhergehen, in Gänze bewusst. Dies macht sich insbesondere in Unternehmen bemerkbar, die bereits international agieren, d.h. Zweigstellen und oder Partnerfirmen im Ausland haben und mitunter Mitarbeiter*innen in anderen Ländern und Kulturräumen beschäftigen. Gerade die Steuerung internationaler Teams und die Realisierung transnationaler Projekte stellen Unternehmen nicht selten vor Herausforderungen, die einer Expansion oder einem erfolgreichen Projektabschluss im Wege stehen können. Indes sollte nicht unerwähnt bleiben, dass Globalisierung und Expansionsbestreben durchaus große Vorteile mit sich bringen, was wiederrum die Notwendigkeit einer funktionierenden Kommunikation auch über die eigenen Landesgrenzen hinaus größter macht.

Interkulturelle Kompetenzen sind vor allem in Führungspositionen gefordert. Internationale Teams stellen die Teamleiter*innen besonders dort vor Herausforderungen, wo es darum geht, kulturelle Differenzen zu überwinden und somit dazu bei zu tragen, Projekte erfolgreich zu realisieren. Glücklicherweise handelt es sich auch bei interkultureller Kompetenz um nichts, das nicht erlernbar wäre oder sich nicht lohnte, weiter entwickelt zu werden. Voraussetzung dafür ist natürlich die Bereitschaft dazu, die ohnehin vorhandenen Kapazitäten zielgerichtet und mit Bedacht zu nutzen.

Doch betrachten wir zunächst, weshalb interkulturelle Kompetenz nur allzu oft unzureichend ist.

Kommunikation ist per se ein von einer Vielzahl mehr oder minder großen Herausforderungen gekennzeichneter Prozess. Selbst in der eigenen Muttersprache und zwischen Menschen eines ähnlichen kulturellen Hintergrundes laufen Konversationen und Diskussionen nicht zu Letzt auf Grund fehlender oder misslungener Kommunikation aus dem Ruder und führen im schlimmsten Fall zu unüberwindbaren Differenzen zwischen den Parteien. Es ist nicht schwer, sich auszumalen, dass dies, vor dem Hintergrund sprachlicher und kultureller Differenzen, noch um ein Vielfaches problematischer ausfallen kann. Sprachliche Barrieren zu überwinden, die, man mag es kaum glauben, auch bei Sprecher*innen der gleichen Sprache auftreten können – man denke an die unterschiedlichen Termini, die von Englischsprecher*innen dies und jenseits des Atlantiks benutzt werden oder an die immense sprachliche Diversität innerhalb der spanischsprachigen Welt um nur zwei der vielen Möglichen Beispiele zu nennen –, gestaltet sich häufig so ungemein komplex, dass es gerade im unternehmerischen Umfeld zu äußerst schwierigen Situationen führen und letzthin dem Erfolg von Verhandlungen und Projekten im Wege stehen kann.

 

Scetch aus dem Seminar: Patrick Nogly | Concept Communications GmbH

 

Was aber kann getan werden, um die interkulturelle Kompetenz und damit die Kommunikation mit und zwischen Mitarbeiter*innen und Kund*innen bzw. Partnern auf internationaler Ebene zu verbessern?

Eine der Grundvoraussetzung dafür, dass interkulturelle Kompetenz, wenn vorhanden, ausgebaut oder im gegenläufigen Fall erworben werden kann, ist ein Bewusstsein von der eigenen kulturellen Prägung (vgl. Kubruck, 2016: V).

Wie man von der Liebe sagt, dass man nur lieben kann, wenn man sich selbst liebt, so gilt in ähnlicher Weise von der Kommunikation, dass man andere nur verstehen kann, wenn man sich selbst versteht. Dies gilt in gleicherweise auch für das Verständnis anderer Kulturen. Erst durch ein Verständnis der eigenen Kultur ist es möglich einen Zugang zu einer von der eigenen verschiedenen Kultur zu erlangen. Gerade hierbei kommt es häufig zu Unverständnis, schließlich weiß doch jede*r was ihn oder sie als Teil eines bestimmten Kulturraumes oder eines bestimmten Herkunftslandes ausmacht, oder etwa nicht?!

Selbstverständlich geht es hierbei nicht darum, wie auch immer gearteten nationalistischen Gesinnungen den Weg zu bereiten. Doch kann nicht bestritten werden, dass ein deutscher bzw. europäisch-westlicher kultureller Hintergrund nicht allzu viel mit einem chinesischen bzw. asiatischen oder fernöstlichen gemein hat. Wichtig ist es also, sich des eigenen kulturellen Hintergrundes bewusst zu sein, um so kulturelle Unterschiede bewusst wahrnehmen und als Chance begreifen zu können. Hierbei geht es selbstverständlich nicht um ein Richtig oder Falsch in Bezug auf diese Unterschiede, nicht um ein Besser oder Schlechter, sondern schlicht und ergreifend um ein Bewusstsein um die Andersheit. Wie Sartre es einst formulierte: „Der Andere besitzt ein Geheimnis […] dessen, was ich bin.“ (Sartre, 1993: 467) So benötigen wir den/die jeweils andere*n um uns selbst zu erkennen. Eine schöne Vorstellung. Darüber hinaus verschafft uns das Bewusstsein von der Andersheit der jeweiligen fremden Kultur einen enormen Vorteil, hilft es doch den eigenen Horizont zu erweitern und so eine andere Sicht auf die Dinge zu erlangen, die nicht selten dazu führen können für scheinbar unlösbare Probleme die passende Lösung zu finden. Das hier wichtige Stichwort ist also die Empathiefähigkeit, d.h. kulturelle Prägungen empathisch wahrzunehmen und im Handeln zu berücksichtigen (vgl. Kubruck, 2016: V).

Interkulturelle Kommunikation: nicht nur gesprochene Sprache ist Kommunikation

Kommunikation wird für gewöhnlich gleichgesetzt mit Sprache oder zumindest als Ergebnis des Gebrauchs von Sprache betrachtet. Das ist auch nicht falsch. Doch gerade beim Thema Sprache wird häufig vergessen, dass es andere Formen der Sprache gibt und somit auch andere Formen und Wege der Kommunikation. Non-verbale Sprache ist sogar häufig viel ausschlaggebender für eine miss- oder gelungene Kommunikation. Demnach steht zu Beginn jeder interkulturellen Kommunikation zunächst das Wissen um die jeweils andere Sprache und Kultur. Daran anschließend gilt es dann dieses Wissen anzuwenden und aktiv mit den Menschen in Kontakt zu treten. Dabei sollte besonders darauf geachtet werden, wie Menschen auf non-verbale Weise „sprechen“ und wie sich dadurch das mittels der Sprache Gesagte verändert. Bedeutet ein Kopfschütteln immer Ablehnung oder Verneinung oder ist es, wie zum Teil im asiatischen Kulturraum, ein Zeichen dafür, dass der Gesprächspartner aufmerksam zuhört? Erst das Wissen darüber, wie solche Signale zu deuten sind, ermöglichen es Fettnäpfchen zu vermeiden und Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen.

Auch wenn all das sehr kompliziert klingt und mitunter sogar Unsicherheit verbreiten kann, so darf nicht vergessen werden, dass der Schlüssel für all das bis hier her Gesagte in der Einfachheit liegt. Es versteht sich von selbst, dass, wenn es darum geht mit Menschen zu sprechen, die nicht die gleiche Sprache sprechen, nicht in kantianischen Schachtelsätzen oder mit mehrdeutigen Begriffen herumzujonglieren. Genauso wenig ist es ratsam, umgangssprachliche Begriffe oder gar Redewendungen zu benutzen, da diese häufig miss- oder gar nicht verstanden werden können, weil sie nicht in gleicher Weise in der jeweiligen anderen Sprache existieren oder benutzt werden.

Ein effektiver Weg, sich der Problematiken, die mit Interkulturalität verbunden sind, bewusst zu werden, sind Weiterbildungen in Form von Trainings, Coachings oder Workshops. Hierbei kann der Fokus auf einem auf das jeweilige Land ausgerichteten Training liegen, in dem es darum geht, auf die Zusammenarbeit mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen vorzubereiten, oder aber auf Trainings bzw. Coachings oder Workshops zum Thema internationales Teambuilding, was besonders dann relevant wird, wenn sich die Mitarbeiter*innen fernab der eigenen Gefilde befinden und es darauf ankommt, kulturelle Unterschiede für das Unternehmen nutzbar zu machen und so erfolgreich zu überwinden.

 

Text: Patrick Nogly | Concept Communications GmbH

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